FAKE News oder REAL News? Was ist wahr und was gelogen?

Safer Internet Day 2017

Zum Safer Internet Day 2017 haben wir uns gefragt: was hat es mit dem Medienphänomen der FAKE News auf sich? Warum ist das Lügen so groß in Mode gekommen? Wieso können ein paar Sätze im Netz neben einem plakativen Foto zur Androhung eines Atomschlags führen, zu Verleumdung, Verfolgung und Mißhandlungen? Fake Fotos, Fake Sätze, einer Fake Person untergeschoben mit einem Fake Lebenslauf, Fake Diplomen, Fake Überzeugungen…. Warum treffen wir uns nicht wieder in der realen Welt und diskutieren über REAL News?

Die Fachstelle für Suchtprävention in Berlin hat die Journalistin Sibylle Trost am Safer Internet Day  7.2.2017 zum Faktencheck eingeladen: „Technik ist keine Religion“.

Was ist REAL und was ist FAKE? Was ist wahr und was gelogen? Aufruf zum kritischen Umgang mit Medien.

Von Sibylle Trost, Insights Media Tours, Berlin

Mediennutzer sind in Zeiten der FAKE-News mehr denn je gefordert, aus der Flut von Daten, Bildern, Fakten, Lügen auszuwählen und zu durchschauen, wie sie am Gefühl gepackt werden. Wer will schon anderen auf den Leim gehen, Falschmeldungen weiter klicken und damit Betrüger zu Millionären machen?! Kinder und Jugendliche lassen sich von Medieninhalten gern berieseln, doch längst ist das, was in ihre Hirne und Herzen hinein fließt, nicht mehr unbedenklich genießbar. Der Bilderbrei, der aus den neuen Fläschchen Pad, Pod und Phone fließt, ist nicht sorgsam mit Ökosiegel auf Allergene untersucht. Er enthält ungefiltert alles, was eine milliardenschwere Medienindustrie, politische Gruppen, Guerilla-Marketing Aktivisten, gute und schlechte Journalisten, Hacker, Gauner und andere stündlich einstellen.

Wer heute Medien nutzt, hat viel Arbeit. Er muss lernen zu erkennen, was andere verschleiern. Denn im Internet vermischt sich alles. Die Grenzen der Genres verschwimmen. Nichts ist mehr klar erkennbar. Was ist eine Nachricht? Was sind Meldungen? Was unterscheidet eine Meinung von einem Bericht? Die journalistische, faktische Sprache übernimmt Formulierungen aus dem Marketing. Schlagzeilen, Nachrichten und Reportagen eifern um den spannendsten Aufmacher im Wettlauf der Headlines, die möglichst viele Nutzer klicken lassen. Bilder und Videos sprechen gezielt die Gefühlswelten an: Provozierende Überschriften, überraschende Fotos, primitive Gefühle wie Neid, Missgunst, Schadenfreude. Meldungen sind oft plakativ und werden nicht sachlich, sondern dramatisch vorgetragen. Reiz-Worte wecken Neugier und Spannung.

Warum ist das so? Offensichtlich taugt das Internet gut als Geldmaschine und Marketingplattform. Wie einträglich es funktioniert, haben eine Gruppe mazedonischer Computerfreaks gezeigt, die im Wahlkampf der USA mit suchmaschinenoptimierten Reizworten FAKE-News ins Netz brachten, durch deren virale Verbreitung sie nach eigenen Angaben etwa 5000 Euro am Tag verdienten und die Welt in Atem hielten.

Was ist REAL und was ist FAKE? Wann sind Falschmeldungen gefährlich? Lügen und Verleumdungen als kurze FAKE-News über die sozialen Netzwerke gepostet – und von Usern tausend- bis millionenfach geteilt – haben weltpolitisch bereits zur Androhung eines Atomschlags geführt, zu Verleumdungen, Verfolgungen und Misshandlungen. Politikern werden Worte untergeschoben, die sie nie gesagt haben; Menschen auf Fotos lebensgefährlich manipuliert und in falschen Kontext gesetzt. Auch die Glaubwürdigkeit des Journalismus steht auf dem Spiel.

Welchen Meldungen kann man noch trauen? Wie noch unterscheiden, ob es sich um einen recherchierte Nachricht oder eine gefälschte Meldung handelt? Rechercheteams investigativer Journalisten überprüfen die Fakten wie der Investigativ-Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, das Correctiv und die Teams anderer Leitmedien.

Was können Eltern und Lehrer*innen heute Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Medienkompetenz und –kritik beibringen? Die wichtigste Botschaft: Erst checken, dann klicken! Es gilt, eine reißerische Meldung genau unter die Lupe zu nehmen, anstatt sie emotional gleich weiter zu klicken oder zu liken. Die automatische Bewegung mit dem Finger ist eine Positionierung, die Schaden anrichten kann. Also: Köpfchen einschalten und die Internetkommunikation auseinandernehmen wie ein altes Kofferradio. Nach dem Kommunikationsmodell „Sender–Nachricht–Empfänger“ lässt sich gut ein erster Faktencheck durchführen.  Medienkompetenz sichert Demokratie und Unabhängigkeit.

Von: Sibylle Trost, Berlin

Sibylle Trost ist Journalistin für Print und Fernsehen (u.a. ZDF „37 Grad“, ZEIT Leo) und veranstaltet mit Insights Media Tours www.insights.berlin Workshops und Touren zur Medienkompetenz hinter die Kulissen der Medienbranche.